29.01.2022
Curling

Curling ohne Worte

Jörg Groh spielt seit 2016 Curling bei der Eintracht - jedoch mit einer Besonderheit: Er ist gehörlos. Auf dem Eis beweist er stets, dass sein Handicap keinerlei sportliche Einschränkungen mit sich bringt.

Sporttreiben, ohne etwas zu hören – das ist für Jörg Groh eine Selbstverständlichkeit und alles andere als ein Widerspruch. Der heute 59-Jährige erlitt in jungen Kindheitsjahren eine Hirnhautentzündung und ist seitdem gehörlos. Trotzdem, oder passender: gerade deswegen entwickelt er früh eine Faszination für Bewegung und beginnt mit unterschiedlichsten Sportarten: „Ich treibe schon mein ganzes Leben lang Sport. Ich war lange beim Gehörlosen-Fußball meines damaligen Vereins, fahre seit meiner Kindheit Ski und habe sowohl Faustball als auch Tennis gespielt.“ Jörg ist ein Beweis dafür, dass Sport keine Grenzen kennt.

Die Begeisterung für Curling wird bei Jörg im September 2014 entfacht. Damals überzeugte ihn ein Freund aus dem Verein „Gehörlose Bergfreunde München“, die Wintersportart auf dem Eis auszuprobieren. Und so führte ihn sein Weg zu Eintracht Frankfurt – der Verein, den er ohnehin schon seit seinem zehnten Lebensjahr unterstützt: „Mein Vater war damals großer Eintracht-Fan. So brauchte ich nur ein einziges Spiel zu sehen, um diese Liebe zu übernehmen. Bis heute bin ich dem Verein sehr verbunden.“ Mithin sei es dem in Offenbach geborenen Curler eine besondere Ehre, seit 2016 selbst mit dem Adler auf der Brust an Turnieren und Meisterschaften teilzunehmen. Stolz erzählt er, dass er in Frankfurt mit Curling angefangen habe und bislang dem Verein treu geblieben sein. 

Das Wischen, das Werfen – alles ist gleich. Wir müssen eben nur gebärden, wenn wir miteinander reden wollen.

Jörg Groh

Heute wohnt Jörg in Dreieich und ist während der Wintersportsaison von Oktober bis März auf den Eisflächen der Eintracht zu finden. Dann trainiert er mit anderen Eintracht-Curlerinnen und -Curlern in der Eissporthalle Frankfurt. Da es in der Curling-Sparte der Eintracht keine festgelegten Mannschaften gibt, finden sich immer neue Teams zusammen, die sich dann gemeinsam auf anstehende regionale wie internationale Turniere vorbereiten.

Erst Ende November 2021 empfingen die Curler der Eintracht in der Frankfurter Eissporthalle elf verschiedene Curlingteams aus ganz Deutschland und dem Ausland, um den 7. Bembel-Cup auszutragen. Solche heimischen Turniere beschreibt Jörg, der dabei für das Team der Eintracht an den Start ging, als besondere sportliche und zwischenmenschliche Momente. Aber auch auf der großen „eisigen“ Bühne konnte sich Jörg bereits beweisen. Insbesondere die Teilnahmen an der 2. Curling Europameisterschaft der Gehörlosen im Jahr 2018 und an der 2. Curling DM in Hamburg 2020 machen ihn nach wie vor stolz.

Wenn sich beide Seiten Mühe geben, gelingt die Kommunikation einwandfrei.

Jörg Groh

Auf die Frage, was Gehörlosencurling von regulärem Curling unterscheidet, antwortet Jörg, ohne lange zu zögern, „Nichts!“. Weder Spielgeräte, Spielabläufe noch die taktischen wie technischen Vorgehensweisen seien unterschiedlich zur „regulären“ Variante. Einzig die Kommunikation unter den Spielerinnen und Spielern gestalte sich anders: „Das Wischen, das Werfen – alles ist gleich. Wir müssen eben nur gebärden, wenn wir miteinander reden wollen.“

Darüber hinaus spiele Jörg auch in gemischten Teams, das heißt mit Menschen, die keine Hörbeeinträchtigung oder andere Handicaps haben. Dann werde sich meist über das Mundbild oder die Gestik der anderen Spielerinnen und Spieler verständigt, was laut Jörg stets ohne Probleme funktioniere: „Wenn sich beide Seiten Mühe geben, gelingt die Kommunikation einwandfrei.“ Jörg ist somit einer der vielen Eintrachtlerinnen und Eintrachtler, die täglich beweisen, dass Sport keine Grenzen kennt und der Inklusionsgedanke bei Eintracht Frankfurt großgeschrieben wird.

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