04.04.2024
Bobsport

Fragen an Issam Ammour

Das Bobjahr ist vorbei und Issam Ammour kann auf seine bislang erfolgreichste Saison zurückblicken. Der Anschieber hat sich unserem Fragenhagel gestellt.

Anschieber Issam Ammour gehört von Anfang an zur Bobabteilung der Eintracht und sitzt seit deren Gründung 2022 im Bob. Der 30-jährige Gießener nimmt dabei im Schlitten seines Bruders Adam Platz, mit welchem er in der diesjährigen Saison einige Erfolge feiern konnte. Bereits bei den deutschen Meisterschaften im November ließ sich erahnen, dass es ein erfolgreicher Winter werden könnte: Das Geschwister-Duo sicherte sich in Winterberg sowohl im Zweier- als auch im Viererbob die Goldmedaille.

Wenig später holte sich der ehemalige Leichtathlet mit Bronze in Innsbruck daraufhin die erste Weltcupmedaille des Jahres. Der Höhepunkt folgte dann aber am Ende der Saison, als sich die beiden Brüder in Sigulda sensationell zum Europameister im Zweierbob kürten. Bei der Heim-WM in Winterberg wusste der Adlerträger nur zwei Wochen später erneut zu überzeugen. Mit Bronze im Vierer- und Silber im Zweierbob gab es für das noch junge Team gleich zweimal Edelmetall zu bejubeln.

Was hat dich dazu bewegt, mit Bobsport anzufangen? Was fasziniert dich daran?

Es war mehr Schicksal und Zufall. Tim Restle, Trainer bei der Eintracht, hat mich damals einfach kurzerhand im Rahmen der Hessischen Hallenmeisterschaften angesprochen. Ich war angetan und dachte mir: why not. Nun bin ich fast 10 Jahre dabei.
 

Welche Anforderungen muss man als Anschieber mitbringen?

Man sollte groß sein, midestens 1,85 Meter und optimalerweise etwa 105-110kg wiegen. Schnellkräftig sollte man sein, dazu aber auch gleichzeitig stark. Letzteres bringe ich in überdurchschnittlichem Maße mit, bei der Genlotterie hab ich bei der Körpergroße den Kürzeren gezogen. Da gab es viele Vorbehalte – aufgegeben habe ich aber nie und harte Arbeit wird belohnt.

Wieso hast du dich für die Eintracht entschieden?

Die Eintracht ist ein Verein, den ich schon im Kindesalter bewundert habe und außerdem auch in nächster Nähe zu meinem Geburtsort Gießen. Die sportliche Infrastruktur, das Miteinander und die Unterstützung in der Eintracht-Familie schätze ich sehr.

Was bedeutet es dir, mit deinem Bruder Medaillen einzufahren?

Ein Traum der in Erfüllung geht, denn mein Weg war gezeichnet von unzähligen Rückschlagen, Niederlagen und Enttäuschungen. Ich brauchte wohl einfach meinen kleinen Bruder und die Familie – zusammen ist man stärker. Die Familie ist stolz und ich sitze dahinter und darf mich mitfreuen. Das gabs in der Geschichte des Bobs in der höchsten Rennserie nie.

An welchen Moment deiner Karriere denkst du am Liebsten zurück?

Bevor man überhaupt an eine Weltmeisterschaft denken darf, mussten wir durch eine harte Selektion. Es war schon von Anfang an ein riesen Ding, dass wir bei vier Rennen mit vier Siegen in den Weltcup durften. Der Weg war frei für eine geile Geschichte, die wir diese Saison geschrieben haben.

Wie bereitest du dich auf einen Wettkampf vor?

Es gibt ein besonderes Ritual: Ich dusche eiskalt vor dem Wettkampf.

Welche Ziele hast du für die Zukunft?

Es war bislang immer ein unausgesprochenes Ziel – jetzt darf ich es sagen: Olympische Winterspiele 2026 in Milano Cortina, zusammen mit meinem Team.

Was machst du im Sommer, wenn du nicht im Bob sitzen kannst?

Ich schrubbe viele Trainingseinheiten im Gym, an der Laufbahn, an der Anschubstrecke – verbringe aber auch viel Zeit in Japan, meinem Lieblingsort, wo ich mich gerne zurückziehe.